

Bernd Muss, geboren am 24. Oktober 1973 in Hamburg, entdeckte bereits als Jugendlicher seine Leidenschaft für Malerei, Graffiti und bildende Kunst. Seine künstlerischen Wurzeln liegen in der Hamburger Graffitiszene der späten 1980er-Jahre – einer Zeit, die seine Haltung zur Kunst und seine gestalterische Handschrift bis heute prägt. Durch Malunterricht und die intensive Beschäftigung mit unterschiedlichen Techniken entwickelte er über viele Jahre einen unverwechselbaren eigenen Stil.
Mit 25 Jahren gehörte Bernd Muss zu einer neuen Generation Hamburger Tätowierer, deren Ursprung nicht in der damals stark prägenden Rocker- oder Milieuszene lag, sondern in Graffiti, Illustration und urbaner Kunst. Er erlebte den Wandel der Tätowierkultur aus nächster Nähe mit und wurde selbst zu einem Teil dieser Entwicklung. Dabei entwickelte er mit dem Sketchstyle eine eigene Stilrichtung: skizzenhafte, scheinbar freie Linien verdichten sich in ihrer Gesamtheit zu einem Motiv und verbinden sich mit fließenden Farbflächen und aquarellartigen Effekten. Elemente seiner Herkunft aus der Graffitikultur fanden so einen neuen Ausdruck auf der Haut.
Auch über das Tätowieren hinaus setzte er früh Impulse. 2010 gehörte er zu den Initiatoren der Ink & Ride, die er gemeinsam mit Freunden ins Leben rief. Das Konzept brach bewusst mit dem klassischen Erscheinungsbild damaliger Tattoo-Conventions und verband unterschiedliche urbane Kulturen miteinander. Tätowierer trafen auf Graffitikünstler und BMX-Fahrer; an drei Tagen entstand ein Festival, bei dem Tätowierkunst, Streetart, Musik und Fahrradkultur selbstverständlich nebeneinanderstanden. Damit wurde die Tattoo-Convention neu gedacht – offener, vielfältiger und näher an der zeitgenössischen urbanen Kunst- und Subkultur.
Inzwischen gestaltet Bernd Muss aus rostigen Fundstücken und Materialien aus dem Hamburger Hafen maritime Objekte. Seine künstlerische Arbeit entwickelt sich kontinuierlich weiter. Neben Schiffen, Leuchttürmen und anderen maritimen Motiven entstehen heute auch Roboter und charakterstarke Figuren aus Metall, Fundstücken und scheinbar ausgedienten Materialien.
Ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeiten sind inzwischen die begleitenden poetischen Texte. Für diese Verbindung aus Objektkunst, Fundmaterial und erzählerischer Poesie verwendet Bernd Muss den Begriff „Poetische Assemblage“. Jedes seiner Werke wird dabei zum Ausgangspunkt einer eigenen kleinen Welt voller Charakter, Fantasie und Geschichte.
Mit seinem ersten Buch finden diese Geschichten nun auch ihren Weg auf Papier. Darin verbinden sich seine Kunstobjekte und die dazu entstandenen Texte zu einer Reise durch Fantasie, Träume und poetische Welten.
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